19. Apr 2020

Videosprechstunden boomen weiter

MEDIZIN. Ein Plus von über 1000 Prozent innerhalb weniger Wochen: Immer mehr Praxen zeigen bei den KVen Videosprechstundennutzung an. Auch der Kreis der Hersteller wächst weiter.

Ärzte und Psychotherapeuten, die Videosprechstunden anbieten wollen, müssen dies ihrer Kassenärztlichen Vereinigung mitteilen. Das Verfahren dazu variiert, aber viele KVen haben in Corona-Zeiten von einem formalen Genehmigungsverfahren auf ein reines Anzeigeverfahren umgestellt. Das macht es den Ärzten in weiten Teilen Deutschlands sehr einfach, in das Thema Videosprechstunde einzusteigen. Um Videosprechstunden über die GKV abrechnen zu können, benötigen sie lediglich einen von der KBV zertifizierten Videosprechstundendienst.

Fast 20.000 Neuanmeldungen bei den KVen im März

Davon gibt es mittlerweile reichlich. Der Health Innovation Hub des Bundesgesundheitsministeriums hat sich die Mühe gemacht, eine Übersicht https://hih-2025.de/corona/ anzufertigen, die die Anbieter und Systeme auflistet. Seitens der Ärzteschaft ist das Interesse an Videosprechstunden riesig, und mittlerweile gibt es dazu auch eine harte Zahl: Die KBV gibt an, dass im März rund 19500 Praxen in Deutschland bei den KVen neu angezeigt haben, dass sie Videosprechstunden nutzen werden. Das war mehr als zehnmal so viel wie im Januar und Februar zusammen.

Die Modelle dabei sind unterschiedlich. Es gibt Plattformen die sich als breite Telemedizinanbieter verstehen, die die reguläre Versorgung ergänzen. Und es gibt eine große Zahl an eher technisch ausgerichteten Angeboten, die sich an einzelne Praxen richten und es diesen Praxen erlauben, Videosprechstunden-Angebote individuell umzusetzen. Anbieter dabei sind Praxis-IT-Hersteller , aber auch Terminplattformen-Anbieter. Alleine von einem dieser Anbieter seien innerhalb weniger Wochen 500 Ärzte mit einer Videosprechstunde neu ausgestattet worden, wurde berichtet.

Andere bieten für die Zeit der Krise ein für Ärzte kostenfreies Angebot einer KBV-zertifizierten Videosprechstundenlösung an. Dort können seit Anfang April teilnehmende Ärzte die Videosprechstunde als neuen Besuchsgrund anlegen, und es ist auch möglich, physische Termine in Videosprechstunden umzuwandeln. Die Nutzer kämen aus allen Fachrichtungen, mit einem gewissen Schwerpunkt auf Orthopäden, Gynäkologen, Zahnärzten und Allgemeinmedizinern.

Die Resonanz sei ausgesprochen gut, wird auch hier berichtet. Innerhalb weniger Tage nach dem Start in Deutschland hätten bereits 400 Ärzte die Funktion aktiviert. Neu ist das Videosprechstunden-Terrain für einige Anbieter nicht. Bei einem System, dass auch in Frankreich im Einsatz ist, würde bei derzeit 30.000 ärztliche Kunden, die die Videosprechstundenfunktion aktiviert haben, pro Tag rund 100.000 Videosprechstunden durchgeführt, mit auch dort starkem Wachstum in den letzten Wochen.“

„Termine verfünfzigfacht“

Ein Unternehmen, dass in Deutschland eine Praxissoftware sowie Telematikpakete für Ärzte und Apotheker anbietet, berichtet von annähernd 30.000 Anwendern seiner kostenlosen Videosprechstunde. Unter den Videosprechstunden-Kunden sind nicht nur Arztpraxen und Krankenhäuser, sondern auch Psychotherapeuten, Apotheken, Logopäden, Physiotherapeuten und Hebammen.

Aktuell stehe man kurz vor der 400.000. Videosprechstunde. Pro Tag würden derzeit bis zu 30.000 Termine abgewickelt. Die Zahl der Anwenderinnen und Anwender habe sich in den letzten drei Wochen verfünfundzwanzigfacht und die Zahl der Videosprechstundentermine verfünfzigfacht.

in Kooperation mit HEALTH-CARE-COM