11. Nov 2022

Das E-Rezept kämpft weiter mit seinem Ruf

Harte Woche für das E-Rezept. Immerhin wurde es bei der Digital Future-Konferenz des Handelsblatts als Innovationsprojekt rubriziert. Noch sind das eher Vorschusslorbeeren.

Für die einen ist das E-Rezept das wichtigste E-Health-Projekt Europas und der Einstieg in mehr Medikations- und damit mehr Patientensicherheit, für die anderen eine umständliche Anwendung mit nicht hinnehmbaren Sicherheitslücken. Erst in der vergangenen Woche war die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe als zweite Modellregion aus dem Pilotprojekt zur Einführung des E-Rezepts ausgestiegen.

 

Der Spezifikation eine Absage erteilt – nicht der Funktion

Zu Beginn dieser Woche (7.11.2022) ließ nun der oberste deutsche Datenschützer verlautbaren: „Der BfDI, Prof. Ulrich Kelber, erteilt der unsicheren Feature-Spezifikationsvariante ‚Abruf der E-Rezepte in der Apotheke nach Autorisierung‘ kein Einvernehmen. Die geplante Schnittstelle ist nicht nach dem Stand der Technik abgesichert und verstößt damit gegen die DSGVO.“ Auf Twitter zoffte sich Kelber daraufhin mit gematik-Sicherheitschef Holm Diening. (Zwei Tage später zog sich das komplette BfDI-Team von Twitter in Richtung Mastodon zurück.)

Was Kelber meinte, ist die Funktionalität der Einlösung durch Stecken der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ohne Eingabe einer PIN. Eigentlich als nutzerfreundlicher Einstieg jenseits von App und ePA gedacht, schob der BfDI dieser Variante nun einen Riegel vor. Oder genauer: Er bemängelt „die geplante Datenverarbeitung mit der zunächst von der gematik vorgelegten Umsetzung, nicht die Funktionalität als solche. Aber so verursache diese nun ein großes Risiko für die Rechte und Freiheiten aller Nutzer:innen.“ Nun kommt die Funktionalität voraussichtlich, hoffentlich, Mitte 2023.

 

Das beste Argument für das E-Rezept ist sein Nutzen

Von all diesen Querelen wollte die Runde auf der Handelsblatt-Konferenz jedoch nichts wissen und stellte konsequent den Nutzen eines funktionierenden, akzeptierten E-Rezepts in den Vordergrund. Und in der Tat, die Berichte aus der Praxis könnten nicht unterschiedlicher sein. Ralf König, Apotheker und Vorsitzender des Vereins der eRezept-Enthusiasten, erzählte von seinen über 6.000 – nahezu problemfrei – eingelösten E-Rezepten. Er betonte sein Unverständnis darüber, dass „alles was KV im Namen hat, die Anstrengungen der Ärzte- und Apothekerschaft torpediert, wo sie nur können.“ Und vor allem auch, dass das die Sicherheit steigernde Element der Dispensierdaten so gar keine Rolle in der Diskussion spiele. Endlich habe man strukturierte Versorgungsdaten – und man wisse sie nicht zur Verbesserung der Medikationssicherheit einzusetzen.

Sebastian John vom Hausärzteverband erklärte, dass die Bedingungen grundsätzlich gut seien und die Mitglieder „Lust darauf haben, Papier endlich abzuschaffen“, die kommunikative Verwirrung aus dem Bundesgesundheitsministerium die Akzeptanz jedoch untergrabe. Darüber hinaus kämpften viele Praxen mit technischem Unvermögen, für das laut John die Hersteller der Praxisverwaltungssysteme verantwortlich zeichneten. Einig war man sich schlussendlich auch mit Peter Schreiner, CEO der Plattform gesund.de, dass unbeirrt weitergemacht werden sollte und die Allianz der Willigen sich schon durchsetzen werde. Die Bürger:innen würden letztendlich mit den Füßen abstimmen bzw. auf ihrem Sofa sitzend, denn von dort würden sie anfordern, bestellen und an der Tür entgegennehmen.

 

Förderprogramm für Macher

Noch bis Ende November können sich Ärzt:innen und Apotheker:innen für das Förderprogramm bei den eRezept-Enthusiasten registrieren lassen und bis zu 3.000 € Förderung für die Einführung des E-Rezeptes bekommen.

 

In Kooperation mit Redaktion E-HEALTH-COM