19. Okt 2020

Online-Intervention bei Aphasie: Machbar, aber ausbaufähig

MEDIZIN. Eine der ersten, randomisierten Studie zur Aphasie-Therapie mit virtueller Realität zeigt, dass die Methode umsetzbar ist. Ein Effektivitätsnachweis steht noch aus.

 

Etwa ein Drittel aller Patienten nach Schlaganfall leiden an einer Aphasie, und das hat oft schwere Konsequenzen für das soziale Leben und die Lebensqualität. Sprachtherapeuten gehen davon aus, dass Gruppentherapien in dieser Situation sehr hilfreich sein können, sie sind aber oft bei dieser Patientengruppe im Alltag nicht umsetzbar, in COVID-19-Zeiten schon gar nicht.

An der City University of London wurde die virtuelle EVA Park Intervention in einer jetzt publizierten, randomisierten Studie evaluiert. Es handelt sich dabei um eine virtuelle Multi-User-Welt, in der sich Menschen mit Aphasie an unterschiedlichen Orten treffen und miteinander interagieren können. Es können sowohl funktionelle als auch soziale Gespräche geführt werden mit dem Ziel, Selbstvertrauen zu gewinnen und Alltagsfähigkeiten zu üben, etwa das Bestellen im Restaurant, den Besuch eines Arztes oder einen Anruf bei der Polizei.

An der Studie nahmen 34 Personen mit Aphasie teil. Die Intervention bestand aus 14 Gruppensitzungen in der EVA Park Welt über einen Zeitraum von sechs Monaten. S ging dabei primär um die Frage, ob ein solches Set-up überhaupt praktisch umsetzbar ist. Das war der Fall: Immerhin 85% der Teilnehmer schlossen die Intervention ab, alle Gruppen führten die 14 Sitzungen wie geplant durch, und jeder einzelne Teilnehmer nahm im Mittel an 11 dieser Sitzungen teil.

Hinsichtlich der Effektivität untersucht wurden die Auswirkungen der VR-Maßnahme auf Faktoren wie Wohlbefinden, Kommunikation, soziale Verbundenheit und Lebensqualität. Hier gab es jeweils keine signifikanten Unterschiede zur Kontrollgruppe, allerdings war die Studie darauf statistisch auch nicht angelegt. Die Autoren um Jane Marshall vom Centre for Language and Communication Science Research der City University of London sprechen sich für eine größere Studie aus, bei der die VR-Intervention dahingehend verändert wird, dass die Maßnahmen intensiver und in kleineren Gruppen durchgeführt werden.

In Kooperation mit Redaktion E-HEALTH-COM

 

Weitere Informationen:

Erklär-Video zur Online-Anwendung EVA Park https://www.youtube.com/watch?v=K9qcY40wD6s&feature=youtu.be

Randomisierte Studie zur VR-Intervention bei Aphasie https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0239715