20. Apr 2020

Drei Minuten für die Corona-Forschung

MEDIZIN. Eine Forschungs-App für Corona-Patienten will dazu beitragen, dass Ärzte die neue Erkrankung Covid-19 besser verstehen. Jeder, der in diesen Tagen unklare Symptome hat, kann mitmachen.
Mit wenig Aufwand viel Gutes tun: Das ist das Credo des Covid-19 Symptom Tracker, einer neuen App, die im Apple App Store und in Kürze auch im Google Playstore frei heruntergeladen werden kann. Die App ist keine Selbstdiagnose-App und auch keine Surveillance- oder Tracing-App mit Public Health Fokus, sondern ein Symptom-Tracker. Er soll klinischen Forschern dabei helfen, die neue Erkrankung Covid-19 besser zu verstehen – und damit letztlich zu einem besseren Krankheitsmanagement beizutragen.

Symptomtagebuch für eine Corona-Falldatenbank

„Die Grundidee ist, dass wir über die Symptomverläufe bei Covid-19 relativ wenig wissen“, sagt Dr. Dr. Martin Zens, Klinikum Füssen (Telemedizin im Allgäu) und Universitätsklinikum Freiburg. Bekannt sei, dass die Erkrankung sehr „bunte“ Symptombilder zeichne. Neben den oft zitierten Symptomen Husten, Fieber und Geruchsverlust gibt es Durchfälle, Atemnot, Kopfschmerzen und andere Beschwerden als Erstsymptome, und auch im Verlauf kann beispielsweise das Fieber stark schwanken. „Das ist gerade für Hausärzte nicht einfach. Die sehen einen Patienten mit positivem Abstrich, den sie dann nach Hause schicken, weil es ihm gut geht. Aber oft bleibt ein mulmiges Gefühl, weil die Erkrankung schlecht einschätzbar ist.“

Genau hier setzt der von einem Frankfurter Unternehmen technisch umgesetzte Covid-19 Symptom Tracker des Universitätsklinikums Freiburg an, den Zens zusammen mit Dr. Dr. Fabian Duttenhöfer, Gelnhausen, konzipiert hat und der auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch und demnächst Französisch vorliegt. Vom Prinzip her handelt es sich um ein Symptomtagebuch für Patienten, bei denen Covid-19 entweder nachgewiesen ist oder die Symptome haben, die auf eine SarsCoV2-Infektion zurückgehen könnten.

Die App funktioniert ohne Einladung. Jeder, der in diesen Tagen krank wird, einen positiven Covid-19-Test erhält oder schlicht unklare Symptome hat, kann die App herunterladen und nutzen und trägt damit zur klinischen Covid-19-Forschung bei: „Es gibt einen Basisfragebogen, der drei bis fünf Minuten dauert. Danach bittet die App alle 24 Stunden um einen Symptombericht. Das ist ein weiterer Fragebogen, der maximal drei Minuten dauert. Das ist nicht viel Aufwand. Die Erkenntnisse werden umso valider, je mehr Menschen mitmachen“, so Zens.

Technische Basis ist eine digitale Studienplattform

Das Ganze ist bewusst einfach gehalten und vollkommen anonym. Es gibt keinerlei Tracking- oder Tracing-Funktionen: „Wir bauen eine Falldatenbank auf, über die wir dann, wenn sie umfangreich genug ist, unterschiedliche Abfragen laufen lassen können“, so Zens. Beispielweise könnten bestimmte Risikokonstellation erkannt werden, die dann Ärzten dabei helfen, jene Patienten zu identifizieren, bei denen sie besonders achtgeben müssen. Auch könnte die Forschung Hinweise bringen, wie sich Covid-19 und andere Erkältungserkrankungen klinisch besser auseinanderhalten lassen.
Technisch basiert die App auf einer mit öffentlichen Fördermitteln vor einiger Zeit entwickelten Plattform für klinische Studien-Apps. Sie ist mittlerweile unter eureqa.io im Internet zugänglich. Damit lassen sich relativ schnell Studien-Apps konzipieren, die dann sofort genutzt werden können: „Für Forschung im Rahmen der Covid-19-Pandemie ist eine solche Plattform ideal, weil viele zeitraubende Entwicklungsschritte wegfallen“, so Zens.

in Kooperation mit HEALTH-CARE-COM

Weitere Informationen:
Studienhomepage www.eureqa.io/covid-19